Der taktile Sinn

Der taktile Sinn ist ein etwas widersprüchlicher Gefährte. Für mich liegt hier zwischen Zuviel und Zuwenig nur ein schmaler Grat. Manche Berührungen überfordern und andere werden bewusst gesucht. Eine Umarmung kann zu viel sein, während das Gewicht einer Decke, der Druck eines Haustiers auf dem Schoß oder die Begrenzung einer Kapuze eher Trost spenden. Diese Ambivalenz prägt den Alltag stärker, als man es von außen vermuten würde. Sie bestimmt, wie Nähe erlebt, Kleidung gewählt oder Räume betreten werden.
Stimming – kein Fehler, sondern Ausdruck

Stimming – ein Wort, das für viele außerhalb des Autismus-Spektrums unbekannt ist und doch eine ziemlich menschliche Realität beschreibt. Der Ursprung des Wortes liegt in der Begrifflichkeit „self-stimulatory behavior“ – oder auch ganz ohne phonetischen Stolperstein: Selbststimulierendes Verhalten. Gemeint sind damit in der Regel Bewegungen oder Geräusche, die sich wiederholen. Dies kann sich z.B. in rhythmischem Wippen, das Drehen eines Gegenstands, das Schaukeln des Körpers oder das Summen bestimmter Laute ausdrücken. Für viele Menschen im Autismus-Spektrum ist Stimming eine zentrale Form der Selbstregulation. Es ist ein Weg, mit Reizüberflutung, Anspannung, Stress oder intensiven Gefühlen umzugehen.
Das autistische Burnout

Es gibt Worte, die klingen erst einmal nach Metapher und rufen eine gedankliche Assoziation hervor. Burnout gehört für mich dazu . Das verzehrende Feuer, das gefräßig über eine Landschaft fegt und nichts als rauchende, verkohlte Überreste hinterlässt, hier und da ein schwach glimmendes Glutnest. Für viele autistische Menschen scheint dies nicht nur ein Bild im Kopfkino, sondern bittere Realität. Ein Zustand, der nicht nur Erschöpfung bedeutet, sondern eine regelrechte Systemüberlastung in allen Bereichen: kognitiv, sensorisch und emotional. Das Nervensystem kollabiert unter der Dauerlast von Erwartungen, Anpassungen und Maskierung.
Autismus und Schlaf: Warum er oft gestört ist und was helfen kann

Schlafen ist großartig. Es ist dieses unscheinbare Reich jenseits der Wachheit, in dem sich Körper und Geist erholen sollen.
Für viele Menschen im Spektrum scheint dies jedoch kein verlässlicher Ort der Ruhe, sondern gleicht eher einem fragilen Konstrukt, das nur allzu vorschnell ins Wanken gerät. Während einige Menschen die Nacht wie eine klare Linie zwischen zwei Tagen erleben, bleibt sie für andere oft eine brüchige, durchlässige Tür, die sich nicht selbstverständlich schließen lässt. Also vielleicht doch eher sowas wie ein Vorhang im Türsturz. Lose und irgendwie fadenscheinig.