Die Rede von der „Autismus-Epidemie“

Wer aktuelle Nachrichten verfolgt, stolpert vielleicht früher oder später über eine bestimmte Schlagzeile aus den USA. Es sind Aussagen, die wie dunkle Gewitterwolken in der Luft hängen, irgendwie schwer und beunruhigend. Die Rede ist von einer angeblichen „Epidemie“ des Autismus und davon, dass die Ursachen gefunden und beseitigt werden müssten. Es klingt nach einem grimmigen Versprechen, nach Wahrheitssuche, nach Rettung – oder nach einer Drohung. Unter diesem Klang liegt ein Abgrund. Denn was bedeutet es, wenn Autismus nicht mehr als eine Form der menschlichen Artenvielfalt betrachtet wird, nicht mehr als natürliche Facette, sondern als Krise. Und als ein Problem, das aus der Welt geschafft werden soll.

Behinderung -ein Wort zwischen Sichtbarkeit und Schweigen

Es gibt Wörter, die tragen eine sonderbare Schwere in sich, die größer scheint als ihre Silben. ‚Behinderung‘ gehört wohl dazu. Es gab etliche Situationen, in denen sich der Raum veränderte, sobald es fiel. Ein kurzes Stocken des Gesprächs, ein Blick wandert etwas betreten zur Seite und gar nicht so selten schiebt sich unmittelbar ein etwas gefälligerer Ersatz hinterher. Also Begriffe wie „Einschränkung“. „Handicap“. Oder „Besondere Bedürfnisse“. Als wäre es nötig, das eine zu verkleiden, um das andere sagbarer zu machen. Doch was geschieht, wenn wir das Wort ‚Behinderung‘ meiden?

Internalisiertes Schweigen – über Ableismus im eigenen Kopf

Es gibt eine merkwürdige Diskrepanz, die vielen Menschen mit Behinderungen vertraut ist. Man lebt mit Einschränkungen, die den Alltag bestimmen, manchmal sogar unübersehbar sind und dennoch liegt der erste Zweifel fast immer bei einem selbst. Nicht bei der Umwelt, die Barrieren baut, sondern bei der eigenen Legitimität, überhaupt Schwierigkeiten haben zu dürfen.

Ableismus bezeichnet im gesellschaftlichen Kontext die Erwartung, dass nur der „voll funktionierende“ Körper und das „reibungslos arbeitende“ Geh

Autismus im öffentlichen Bild: zwischen „Genie“ und „sozial unfähig“

Wenn man über Autismus spricht, dann spricht man selten über Autismus selbst, sondern fast immer über die Bilder, die andere davon gezeichnet haben. Bilder, die von Filmfiguren stammen, von vereinfachten Medienberichten, von Schlagzeilen über seltsame Tech-Giganten oder über tragische „Einzelfälle“. Es sind Karikaturen, die im kollektiven Bewusstsein zu festen Umrissen geworden sind. Es gibt das Bild des hochbegabten Mathematikers, der komplexe Formeln löst, aber kein simples Gespräch über das Wetter führen kann. Oder es gibt das Bild des verschlossenen Kindes, das hospitalisierend in einer Ecke sitzt und keinerlei Kontakt zu anderen sucht, außer vielleicht auf gewalttätige Art. Zwischen diesen Polen schwankt das öffentliche Bild. Und genau darin liegt das Problem.