Warum Ironie verletzender sein kann, als viele denken

Es gibt Sätze, die klingen sorglos und fast ein wenig verspielt. Sie werden mit einem lächelnden Tonfall gesagt, der Leichtigkeit verspricht und einem kleinen entwarnenden Augenzwinkern. Und doch hallen manche dieser Sätze lange nach. Sie haften im Gedächtnis wie feine Glassplitter, unsichtbar von außen, aber spürbar bei jeder Bewegung des Denkens. „Das war doch nur Spaß.“ Ein Satz, der glätten und entschärfen will und doch so oft das Gegenteil erreicht.
Kommunikation am Arbeitsplatz

Es heißt, Sprache sei Brücke. Doch für viele autistische Menschen ist sie oft eher ein reißender Fluss, dessen Strömung nicht berechenbar ist. Am Arbeitsplatz wird dieses Spannungsfeld besonders deutlich. Hier entscheidet Kommunikation nicht nur über das Verständnis, sondern auch über Zugehörigkeit, über den Eindruck von Kompetenz, über Aufstieg oder Ausschluss. Und hier treffen zwei Welten aufeinander. Die Erwartung einer mühelosen, beiläufigen Verständigung und die Erfahrung, dass jedes Gespräch ein unwegsames Gelände voller Unsicherheiten birgt.
Das autistische Burnout

Es gibt Worte, die klingen erst einmal nach Metapher und rufen eine gedankliche Assoziation hervor. Burnout gehört für mich dazu . Das verzehrende Feuer, das gefräßig über eine Landschaft fegt und nichts als rauchende, verkohlte Überreste hinterlässt, hier und da ein schwach glimmendes Glutnest. Für viele autistische Menschen scheint dies nicht nur ein Bild im Kopfkino, sondern bittere Realität. Ein Zustand, der nicht nur Erschöpfung bedeutet, sondern eine regelrechte Systemüberlastung in allen Bereichen: kognitiv, sensorisch und emotional. Das Nervensystem kollabiert unter der Dauerlast von Erwartungen, Anpassungen und Maskierung.
Internalisiertes Schweigen – über Ableismus im eigenen Kopf

Es gibt eine merkwürdige Diskrepanz, die vielen Menschen mit Behinderungen vertraut ist. Man lebt mit Einschränkungen, die den Alltag bestimmen, manchmal sogar unübersehbar sind und dennoch liegt der erste Zweifel fast immer bei einem selbst. Nicht bei der Umwelt, die Barrieren baut, sondern bei der eigenen Legitimität, überhaupt Schwierigkeiten haben zu dürfen.
Ableismus bezeichnet im gesellschaftlichen Kontext die Erwartung, dass nur der „voll funktionierende“ Körper und das „reibungslos arbeitende“ Geh
Über die Fremdwahrnehmung autistischer Reaktionen

Es gibt Menschen, die reagieren auf ein schiefes Wort, als würde die Welt untergehen. Vielleicht ist es ein plötzliches Türknallen oder Hundegebell, das den Körper augenblicklich in Schockstarre versetzt. Das selbe Herz stolpert, wenn ein Gegenstand sein endgültiges Haltbarkeitsdatum erreicht hat, weil nicht nur etwas Materielles kaputt geht, sondern auch ein Stückchen Ordnung zerbricht. Ein verpasster Anruf, dessen Herkunft unbekannt bleibt, kann wie eine offene Drohung im Raum hängen, die einen stundenlang gedanklich verfolgt. Ein verschmutzter Teppich, ein unerwarteter Fleck, wird zu einer Zumutung, die nicht nur den Stoff, sondern das ganze innere Gefüge beschmutzt. Und dieselben Menschen bleiben reglos, wenn andere den Kopf in den Händen vergraben.
Autismus im öffentlichen Bild: zwischen „Genie“ und „sozial unfähig“

Wenn man über Autismus spricht, dann spricht man selten über Autismus selbst, sondern fast immer über die Bilder, die andere davon gezeichnet haben. Bilder, die von Filmfiguren stammen, von vereinfachten Medienberichten, von Schlagzeilen über seltsame Tech-Giganten oder über tragische „Einzelfälle“. Es sind Karikaturen, die im kollektiven Bewusstsein zu festen Umrissen geworden sind. Es gibt das Bild des hochbegabten Mathematikers, der komplexe Formeln löst, aber kein simples Gespräch über das Wetter führen kann. Oder es gibt das Bild des verschlossenen Kindes, das hospitalisierend in einer Ecke sitzt und keinerlei Kontakt zu anderen sucht, außer vielleicht auf gewalttätige Art. Zwischen diesen Polen schwankt das öffentliche Bild. Und genau darin liegt das Problem.
Der Unterschied zwischen Selbsttest, Verdacht und offizieller Diagnose

Unterschied zwischen Selbsttest, Verdacht und offizieller Diagnose
Am Anfang steht oft kein klares Wissen, sondern ein diffuses Gefühl. Irgendwie stimmt da etwas nicht. Oder vielleicht stimmt etwas sehr wohl, nur eben nicht so, wie die Welt es erwartet. Viele Menschen im Autismus-Spektrum bewegen sich lange durch diese Grauzone, bevor passende Worte, Konzepte und schließlich eine Diagnose auftauchen. Der Weg dorthin scheint selten gerade, sondern gleicht eher einem Wandern durch verschiedene Stufen von Ahnung, Selbstsuche, Revision und Bestätigung.
Das Funkeln im Spektrum: Spezialinteressen

Es gibt Wörter, die mehr sind als reine Begrifflichkeiten. Sie sind Türen in ganze Welten. Und Spezialinteresse ist ein solches Wort.
Ein Spezialinteresse ist so viel mehr als nur ein Hobby. Hobbys füllt man mit freier Zeit, Spezialinteressen füllen einen selbst. Hobbys sind Beschäftigungen. Spezialinteressen sind Heimaten. Sie nähren, trösten, geben Sinn, schenken Begeisterung.
Maskieren – das unsichtbare Schauspiel

Masking – ein anglisiertes Wort, das nüchtern klingt und doch eine existenzielle Schicht autistischen Lebens beschreibt. In einiger Fachliteratur wird das Maskieren auch als „Camouflage“ oder als Teil des „hochfunktionalen Autismus“ bezeichnet. Unabhängig davon, wie man es benennt, gemeint ist damit meist immer die Fähigkeit, den eigenen Ausdruck zu verbergen, zu überdecken, soweit umzuschreiben, damit er in eine Welt passt, die von anderen erbaut wurde.
Bewerbungsgespräche: Wie man Hürden meistert

Gibt es eigentlich gruseligere Prüfungssituationen als Bewerbungsgespräche? Es sind diese Räume, die schon beim Betreten selbst zu einer Prüfung werden. Sterile Büros, fremde Flure, Menschen, die in ihren schicken Anzügen und Kostümen so souverän und selbstverständlich wirken, als hätten sie nie etwas anderes getragen, während man sich selbst verkleidet und fehl am Platz fühlt. Es gibt da so ein Meme namens „Big bird in Meeting“. Ein bisschen so fühlt sich das an..
Für viele Menschen liegt die erste Hürde bereits im Unsichtbaren und im Vorfeld, lange bevor das Gespräch beginnt. Schon die Einladung allein kann Herzschläge beschleunigen und für schlaflose Nächte sorgen, weil sie wie eine düstere Vorahnung wirkt. Bald muss man in einer zukunftsweisenden Situation bestehen, die von nonverbalen Codes, sozialen Erwartungen und