Statt Erleichterung folgt Schwere

Eine Diagnose verspricht doch irgendwie zunächst Erleichterung. Man geht davon aus, dass endlich das Ungesagte verständlich wird. Endlich gibt es eine Sprache für das eigene Erleben und endlich hören die Zweifel auf. Mit der Diagnose kommt die Hoffnung, dass sich nun vieles sortiert, dass man aufatmen kann und dass die innere Zerrissenheit einer stabileren Selbstwahrnehmung weicht.

Man hofft vielleicht, dass man sich ab sofort besser erklären kann. Man rechnet damit, dass die Diagnose vielleicht auch gesellschaftliche Türen öffnet, zu mehr Verständnis, passenderen Unterstützungen und einem Alltag, der weniger anstrengend sein muss.

Spät erkannt – was nun? Erste Schritte nach der Diagnose

Es gibt ein Gefühl, das viele kennen, lange bevor sie jemals das Wort „Autismus“ im Kontext zu sich selbst hören. Dieses leise, schwer zu fassende Anders sein. Es ist nicht immer grell und punktgenau benennbar, aber präsent wie ein subtiles Hintergrundrauschen.
In der Kindheit tauchen vielleicht erste Narrative auf, die aus Unwissenheit vom Umfeld das eigene Selbstbild prägen. Sätze wie „Stell dich nicht so an. Mach‘ nicht immer so ein Gesicht. Du bist viel zu sensibel. Sei nicht so still. Sei nicht so besserwisserisch. Lächel‘ doch mal. Du bist immer so schwierig. Freu‘ Dich mehr. Mach mit. Spiel‘ mit den anderen. Sei mal irgendwie anders, aber nicht so..“