Statt Erleichterung folgt Schwere

Eine Diagnose verspricht doch irgendwie zunächst Erleichterung. Man geht davon aus, dass endlich das Ungesagte verständlich wird. Endlich gibt es eine Sprache für das eigene Erleben und endlich hören die Zweifel auf. Mit der Diagnose kommt die Hoffnung, dass sich nun vieles sortiert, dass man aufatmen kann und dass die innere Zerrissenheit einer stabileren Selbstwahrnehmung weicht.

Man hofft vielleicht, dass man sich ab sofort besser erklären kann. Man rechnet damit, dass die Diagnose vielleicht auch gesellschaftliche Türen öffnet, zu mehr Verständnis, passenderen Unterstützungen und einem Alltag, der weniger anstrengend sein muss.

Produktivität – ein Hamsterrad mit Glaswänden

n den Räumlichkeiten eines Optikers sitzen Menschen und warten. Es ist eine kleine Bühne: Gestelle, Leuchten, das leise Murmeln eines Verkaufsgesprächs. Und doch entzieht sich der Raum seiner eigenen Ruhe, denn vom Nebentisch schwappt eine andere Welt herüber. Es ist ein Handy in der Hand, eine Stimme, die in ein unsichtbares Meeting spricht, ein Ohrstöpsel, der signalisiert „ich bin da, aber nicht ganz“. Es ist eine Symbiose von Arbeit und Privatleben, die man nur aus dem modernen Zeitalter kennt.

Waren es früher noch Anzug, Seitenscheitel, Aktentasche oder das Firmenhandy, was einer Auszeichnung an Wichtigkeit gleichkam, sind es heute Headsets, geteilte Bildschirme und die Fähigkeit, im Nebel von Parallelaktivitäten nicht den Faden zu verlieren. Produktivität ist längst nicht mehr nur ein Mittel zum Zweck