Zwischen Zumutung und Zugewinn

Im Arbeitsalltag bemerkt man schnell, was funktioniert, aber nicht unbedingt, was es kostet. Hinter jeder ruhigen Fassade kann ein unsichtbarer Kampf liegen, bei dem es darum geht, Reize auszuhalten, Kommunikation zu deuten und Erwartungen zu erfüllen. Unsichtbarkeit wird so zum Überlebensprinzip und manchmal auch zum Missverständnis. Besonders für autistische Menschen liegt in dieser Unsichtbarkeit eine paradoxe Dynamik. Je besser die Anpassung ans Außen gelingt, umso weniger wird sie gesehen und desto schneller entsteht der Eindruck, es gäbe gar nichts, das Rücksicht erfordert.
Kommunikation am Arbeitsplatz

Es heißt, Sprache sei Brücke. Doch für viele autistische Menschen ist sie oft eher ein reißender Fluss, dessen Strömung nicht berechenbar ist. Am Arbeitsplatz wird dieses Spannungsfeld besonders deutlich. Hier entscheidet Kommunikation nicht nur über das Verständnis, sondern auch über Zugehörigkeit, über den Eindruck von Kompetenz, über Aufstieg oder Ausschluss. Und hier treffen zwei Welten aufeinander. Die Erwartung einer mühelosen, beiläufigen Verständigung und die Erfahrung, dass jedes Gespräch ein unwegsames Gelände voller Unsicherheiten birgt.
Bewerbungsgespräche: Wie man Hürden meistert

Gibt es eigentlich gruseligere Prüfungssituationen als Bewerbungsgespräche? Es sind diese Räume, die schon beim Betreten selbst zu einer Prüfung werden. Sterile Büros, fremde Flure, Menschen, die in ihren schicken Anzügen und Kostümen so souverän und selbstverständlich wirken, als hätten sie nie etwas anderes getragen, während man sich selbst verkleidet und fehl am Platz fühlt. Es gibt da so ein Meme namens „Big bird in Meeting“. Ein bisschen so fühlt sich das an..
Für viele Menschen liegt die erste Hürde bereits im Unsichtbaren und im Vorfeld, lange bevor das Gespräch beginnt. Schon die Einladung allein kann Herzschläge beschleunigen und für schlaflose Nächte sorgen, weil sie wie eine düstere Vorahnung wirkt. Bald muss man in einer zukunftsweisenden Situation bestehen, die von nonverbalen Codes, sozialen Erwartungen und
Produktivität – ein Hamsterrad mit Glaswänden

n den Räumlichkeiten eines Optikers sitzen Menschen und warten. Es ist eine kleine Bühne: Gestelle, Leuchten, das leise Murmeln eines Verkaufsgesprächs. Und doch entzieht sich der Raum seiner eigenen Ruhe, denn vom Nebentisch schwappt eine andere Welt herüber. Es ist ein Handy in der Hand, eine Stimme, die in ein unsichtbares Meeting spricht, ein Ohrstöpsel, der signalisiert „ich bin da, aber nicht ganz“. Es ist eine Symbiose von Arbeit und Privatleben, die man nur aus dem modernen Zeitalter kennt.
Waren es früher noch Anzug, Seitenscheitel, Aktentasche oder das Firmenhandy, was einer Auszeichnung an Wichtigkeit gleichkam, sind es heute Headsets, geteilte Bildschirme und die Fähigkeit, im Nebel von Parallelaktivitäten nicht den Faden zu verlieren. Produktivität ist längst nicht mehr nur ein Mittel zum Zweck